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Gerne nutzen wir von Seiten der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e.V.
(Fachmedizin für Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen) erneut die aktuellen Möglichkeiten
der elektronischen Publikation, um die Beiträge unserer 23. Wissenschaftlichen Jahrestagung
einem breiteren Interessentenkreis zugänglich zu machen.
Das Hauptthema dieser Heidelberger Jahrestagung 2006,
"Voraussetzungen der Sprachentwicklung",
fokussiert inhaltlich auf den frühkindlichen Spracherwerb, in Besonderheit dessen präverbale
Entwicklungsphase und entwicklungskritischen Vorläuferfunktionen. Die Sprache ist bekanntlich unsere
einzige humanspezifische Funktion und für uns alle unverzichtbar in der gesamten psychosozialen
Breite unserer Existenz, privat, sozial und in zunehmender Gewichtung auch beruflich.
Um so mehr muss verwundern, wie relativ gering das Allgemeinwissen um die Normalität und die
kritischen Zeitfenster dieser komplexesten und wohl auch kompliziertesten Hirnfunktion verbreitet
ist. In den aktuellen Lehrbüchern der Kinderheilkunde sucht man beispielsweise vergeblich nach
einem solchen Kapitel. Wissenschaftlich gehört angesichts noch vieler "weißer Flecken" die Klärung
der Sprachentwicklung und ihrer Voraussetzungen international und auf absehbare Zeit unstreitig zu
den zentralen interdisziplinären Forschungsschwerpunkten, unter anderem auch für unser Fach als nach
der Weiterbildungsordnung medizinisch zuständiger Disziplin.
Auf der anderen Seite sind die Störungen der Sprachentwicklung nicht erst seit den PISA-Studien
im öffentlichen Bewusstsein verankert. Wiederholt wird in den Medien über die erschreckende
Sprachinkompetenz von Schulanfängern berichtet und erheblichen finanziellen Aufwänden für fachlich
recht fragwürdige Trainingsprogramme. Als ob man eine gestörte Sprachentwicklung zu diesem
entwicklungsbezogen viel zu späten Zeitpunkt durch ein halbjähriges kostenträchtiges
Förderungsprogramm beheben könnte; offensichtlich ein eher hilfloser Schreckreflex auf PISA.
Ähnlich wie etwa beim Neugeborenen-Hörscreening könnten wir mit unserer Fachmedizin in
interdisziplinärer Einbindung hier sinnvollere und vermutlich effizientere Konzepte anbieten
für nach aktuellen Studien immerhin etwa 15-20 Prozent unserer nativ
deutschsprachigen Einschulungskinder.
Mit solcher Prävalenz dürften Sprachentwicklungsstörungen zu den häufigsten Erkrankungen in unserer
Bevölkerung zählen. Wahrlich keine Bagatelle, weder individuell und sozial noch ökonomisch!
Deshalb möchten wir in Heidelberg mit dem Hauptthema und international ausgewiesenen Referentinnen
und Referenten diesen konzeptuellen Ansatz einer rechtzeitigen Diagnostik und konsekutiven
Intervention gewichten und wenigstens in einigen Aspekten beleuchten als Hinweis darauf,
nicht erst mit notwendigen Maßnahmen zu zögern, bis jedem Laien die Retardierung im Spracherwerb
auffällt. Ebenso wie es fachlich unsinnig wäre, bei angeborenen Hörstörungen abzuwarten,
bis die Sprachentwicklung - zwangsläufig und somit absehbar - defizitär bleibt, gibt es andere
kritische Vorleistungen für den Spracherwerb, deren Beachtung und Ernstnahme solchen Kindern völlig
neue Lebensperspektiven eröffnen dürften. Die Kenntnis der präverbalen wie verbalen Normentwicklung
und ihrer sensitiven Zeitfenster scheint auch hier das vermutlich beste Raster zu bieten nicht nur zur
früh-, sondern rechtzeitigen Intervention. Hinweise auf eine angebliche "Spätentwicklung" an Stelle
einer indizierten fachmedizinischen Diagnostik sollten längst obsolet sein.
Die sorgfältige Bearbeitung aller elektronischen Beitragsanmeldungen und Korrespondenz mit den Autoren,
die kurzfristige Vermittlung der Auswahlentscheidungen bis hin zur Erstellung der Online-Publikation
noch vor der Jahrestagung, all dies wäre nicht leistbar gewesen ohne die engagierte und kritische
Kooperation auf Seiten der Redaktion German Medical Science.
Hierfür gilt unserer besonderer Dank Frau Simone Haas und ihrem Kollegen Herrn Manuel Hauzirek.
Prof. Dr. E. Kruse
Präsident der Deutschen Gesellschaft
für Phoniatrie und Pädaudiologie
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